Es ging nie um Bin Laden
Der Wohnort Bin Ladens in Pakistans sei genau bekannt, meldeten die Medien am Samstag. – Pakistan gilt dennoch als Freund der USA. – Wenn man den Terror-Fürsten wirklich haben wollte, dann könnte man ihn doch mit einer Kommandoaktion holen? – Oder sowas? – Eigentlich dachte ich, bin Laden wäre ‘eh schon lange tod …
Diese Meldung zeigt, daß es gar nicht darum geht, zu gewinnen. Bin Laden wird offiziell noch gebraucht, als Schreckensfigur in den Medien und als Grund zur Ausweitung der Kriege. – Der Afghinstankrieg wurde damals damit begründet, daß die Taliban einen Hort für Terror-Lager bilden. Damals wie heute kommt die Entwicklung aber aus Pakistan.
Was der Afghanistan-Krieg der NATO soll, verrät zum einen diese Erfolgs-Meldung über den Welt-Drogen-Export: Afghanistan: UNO besorgt über schockierenden Opiumanbau
Vor sechs Jahren schon Bin Laden entkommen lassen:
Schon 2002 stand in der Süddeutschen Zeitung eine Meldung, wie die Amis in Afghanistan bin Laden schon in der Zange hatten, ihn aber entkommen ließen. Den Zeitungsausschnitt hatte ich mir damals extra aufbewahrt, weil es quasi beweist, daß der NATO-Krieg nichts mit Anti-Terror zu tun hat.
Den damaligen Artikel habe ich hier eingescanned:
Bin Ladens zaudernde Häscher
Die Hinweise verdichten sich, dass die amerikanischen Armee den Al-Qaida-Chef bei Tora Bora entwischen ließ.
(Süddeutsche – 19. April 2002)
Bin Ladens zaudernde Häscher
Die Hinweise verdichten sich, dass die amerikanischen Armee den Al-Qaida-Chef bei Tora Bora entwischen ließ.
Im Kampf gegen den Terror, so wird Präsident George W. Bush nicht müde zu beteuern, zählen allein Ausdauer, Geduld und Hartnäckigkeit. Unsere Fortschritte, so schärfte er erst jetzt wieder seinen Landsleuten ein, „werden gemessen Tag für Tag, Terrorist für Terrorist”. Bisher haben die Amerikaner allerdings nur einen führenden Al-Qai-da-Kader hinter Schloss und Riegel. „Aber wir werden ihm bald Gesellschaft verschaffen”, versprach der US-Präsident den Zöglingen einer Militärakademie in Virginia.
Ob es sich bei dieser Gesellschaft um den mutmaßlichen Terror-Drahtzieher Osama bin Laden handeln wird, ist freilich fraglich. Ihm sind die amerikanischen Häscher noch keinen Schritt näher gekommen, und zu allem Überfluss verdichten sich auch noch die Hinweise, dass ihn die US-Armee im vergangenen Dezember in den Tora-Bora-Ber-gen Ost-Afghanistans hat entkommen lassen, weil sie nicht schnell, mutig und entschlossen genug gehandelt habe.
Dies jedenfalls geht aus Aussagen festgesetzter arabischer und afghanischer Kämpfer hervor, die den Amerikanern berichteten, dass bin Laden eigentlich schon in einem abgelegenen Gebirgstal in der Falle gesessen habe. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld musste all seinen stacheligen Charme aufbieten und alle Register seines trockenen Zynismus’ ziehen, um den Verdacht zurückzuweisen, dass sich Afghanistan-General Tommy Franks hier den folgenschwersten Schnitzer der Kampagne geleistet habe.
„Ich könnte eine solche Frage (nach bin Laden) nicht beantworten”, sagte der Pentagon-Chef sarkastisch, „und es überrascht mich, dass andere dies von der erhöhten Warte ihrer relativ bescheidenen Kenntnisse aus vermögen.” Einen entsprechenden Bericht der Washington Post, der sich auf Pentagon-Verantwortliche stützte, verwarf Rumsfeld als pure „Spekulation”.
Allerdings könnte der Minister einen über jeden Zweifel erhabenen Gewährsmann befragen, dem er seit vielen Jahren in herzlicher Abneigung verbunden ist: Ex-Außenminister Henry Kissin-ger. Der hatte vor geraumer Zeit das Hauptquartier britischer Spezialtrup-pen in England besucht, die gerade vom Einsatz in Tora Bora heimgekehrt waren. Wie die konservative britische Zeitschrift Spectator berichtete, hatten die Soldaten dem Amerikanischen Gast Erstaunliches zu erzählen. Demnach war es so gut wie sicher, dass bin Laden zusammen mit einer Gruppe engster Getreuer in einem Gebirgstal eingekesselt war. Doch als die Briten vorschlugen, das Tal abzuriegeln und nach Art einer Treibjagd mit Bodentruppen zu durchkämmen, hätten ihre amerikanischen Waffenbrüder aus Angst vor unvermeidlichen Verlusten kalte Füße bekommen.
Auch einen zweiten britischen Vorschlag, dann eben alleine in das Tal vorzudringen, hätten die Kameraden aus Übersee abgelehnt: Sie neideten den Engländern den Ruhm.
Zaudernd, zögernd und immer mehr in Zeitnot geratend, hätten die Amerikaner schließlich die Afghanen um Hilfe gebeten. Doch die, so der Spectator weiter, ließen sich zum einen lange bitten
und verlangten zum anderen Bezahlung – in Goldmünzen. Bis die US-Armee den Goldschatz herangeflogen habe, sei .bin Laden mit Hilfe afghanischer Verbündeter entkommen. Knapp und vernichtend formulierte es nun ein AntiTerror-Spezialist des Pentagon in der Post: „Wir haben Mist gebaut, (.. .) weil wir die Afghanen die ganze Arbeit machen ließen.”
Wolfgang Koydl (Süddeutsche – 19. April 2002)
12.02.2008 von engola


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