„Das Volk folgt... das sagt doch schon der Name.“
Ein Zitat von Roman Herzog.
„Als er gefragt wurde, wie er glaubt, die Unterstützung der deutschen Bevölkerung für seine Vorschläge zu bekommen, platzte er mit folgender Antwort heraus: Das Volk folgt… das sagt doch schon der Name.“ (2. Quelle: Süddeutsche)
Eigentlich müßte man laut lachen, aber diese Leute meinen solche Aussagen ernst! – Wenn etwas braun aussieht und stinkt, dann könnte es sich wirklich um Scheiße handeln.
Aber tatsächlich hat das Wort Volk einen kriegerischen Ursprung:
die älteste bedeutung ist geschlossene abtheilung von kriegern, heerhaufe; so wurde es von den Slaven entlehnt (altslav. plŭkŭ, kriegsschar) und kam als fremdwort (ein pulk kosaken) wieder zurück; ahd. folc Grimmsches Wörterbuch
weiter:
die alte kriegerische bedeutung des wortes gewinnt ein neues leben mit der veränderung des heerwesens im ausgange des mittelalters, der aufstellung geworbener heere, der differenzierung der waffengattungen; volk, bes. im plur. völker, wird ein allgemeiner ausdruck für soldaten, heer, truppen. erst im 18. jh. beginnt das wort in diesem sinne zu veralten, hält sich aber in gewählter sprache, wenn ältere verhältnisse gemeint sind (SCHILLER); vgl. fuszvolk, kriegsvolk: ein schar folckes,… Grimmsches Wörterbuch
Also ist die Herzogsche Etymologie sehr verkürzt, wenn nicht sogar falsch. Die Heerschaar folgt natürlich dem Anführer, aber das steckt in dem Wort Volk als Bezeichnung einer Sache nicht drin. Laut Wiki hat folgen folgende Herkunft: mittelhochdeutsch: volge, altnorddeutsch: fylgja „Begleiterin“, „geleitende Schutzgöttin“. Folgen kann übrigens auch Zustimmung bedeuten. (Eine Zustimmung, zu der man sich aus Gründen frei entscheidet)
Und was die faschistoiden Wortverdreher gerne vergessen: Über die Jahrhunderte verändern sich die Wortbedeutungen und Worte werden mit weiteren/neuen Bedeutungen aufgeladen:
eine besonders bedeutsame wandlung tritt in der zweiten hälfte des 18. und der ersten des 19. jhs. ein. die ästhetischphilosophische bewegung veredelt den begriff des volkes als des ursprungs des werthvollsten pcetischen gutes, schöpferischen phantasielebens, naturbedingter sitte, indem zugleich der werth der den oberen gesellschaftschichten vorbehaltenen bildung herabgesetzt wird; die aus der romantik hervorgehende philologie führt diese bewegung in historischer vertiefung weiter, wobei bes. die gegenüber der aufklärungszeit völlig veränderte stellung zu beachten ist, die dem volk im sprachlichen leben zugewiesen wird. in politischer beziehung wird durch die ideen der französischen revolution und ihre weitere entwicklung in der liberalen bewegung eine umwerthung des wortes herbeigeführt. damit verbindet sich die veredlung durch das erwachsen des nationalen bewusztseins, mächtig gefördert durch den zusammenbruch des alten deutschen reiches und den kampf gegen Napoleon: das ringen um freiheit und einheit geben dem wort einen stimmungsgehalt, der leidenschaftlich empfunden werden kann. in diese würde wächst das wort erst allmählich im kampfe mit dem fremden nation hinein. Grimmsches Wörterbuch
Tja, da sind wir leider wieder bei der deutschen Crux: Bürgeliche Revolution (1848) oder echte Freiheit? – Die Konservativen möchte die Freiheit immer gerne mit der nationalen Einheit verbinden. – Es heißt doch Einigkeit und Recht und Freiheit – das Recht wird von diesen Leuten immer gerne Unterschlagen, und was Freiheit meint, darüber müssen wir noch reden.
Insofern paßt es heutzutage ja schon wieder, daß ein Bürgerkonvent (was ist das eigentlich schon wieder für eine Bruderschaft?) an einem libertär-kapitalistischen Umbau und Rückbau unseres Staates arbeitet. – Wenn es um Bürgertum geht, empfehle ich mal diese Analyse: Was ist “bürgerlich-christlich”?
12.05.2008 von engola
Nicht-Sprechen, Apartheid und Verbrechen in Gaza und Israel
Oha, Filmen in der Öffentlichkeit ist nicht verboten
